Basierend auf Ihrer Browsersprache empfehlen wir die folgende Version dieser Seite:

Basierend auf Ihrer Browsersprache empfehlen wir die folgende Version dieser Seite:

Based on your browser language, we recommend the following version of this page:

W oparciu o język przeglądarki zalecamy następującą wersję tej strony:

Based on your browser language, we recommend the following version of this page:

Based on your browser language, we recommend the following version of this page:

Baserat på ditt webbläsarspråk rekommenderar vi följande version av denna sida:

En fonction de la langue réglée dans votre navigateur, nous vous recommandons la version suivante de cette page :

我們根據此瀏覽器使用的語言偏好設定,協助導向此適當版本

Wählen Sie Ihr Land:

Choose your country:

Wybierz swój kraj:

Choose your country:

Choose your country:

Välj språk:

Choisissez votre pays:

選擇您的國家

Zwischen Werkstatt und Turbine: 10 Fragen an Windingenieur Silvio Matysik (Teil 1)

Ein Blick in die Engineering-Praxis der Deutschen Windtechnik

Was macht eigentlich ein Ingenieur bei der Deutschen Windtechnik? Wir haben Silvio Matysik gefragt, der seit über 20 Jahren in der Windenergiebranche arbeitet. Als Engineer Mechanic (Research & Development) zeigt er beispielhaft, wie Engineering bei der Deutschen Windtechnik funktioniert. Im ersten Teil unseres zweiteiligen Interviews sprechen wir über seinen Werdegang, seinen Arbeitsalltag und die Herausforderungen eines Windingenieurs.


 1. Silvio, welche technischen Meilensteine sind Dir besonders in Erinnerung geblieben? 

2002 der Bau der ersten Enercon E-112 bei Egeln – absolut beeindruckend! Zu einer Zeit, als 1,5-MW-Anlagen den Markt dominierten, war diese 4,5-MW-Anlage die größte der Welt. Zwei Demag-Raupenkräne im Tandemhub, die 110 Tonnen auf 124 Meter Nabenhöhe hoben – gigantisch. Damals dachten wir: Größer geht's kaum. Heute steht ein 600-Tonnen-Kran als Hilfskran neben einem Ringkran, der 1.200 Tonnen auf 200 Meter hebt. 

Ein weiterer Höhepunkt: 2003 durfte ich im Rahmen meiner Diplomarbeit die Fertigung der ersten deutschen Offshore-Anlage, der Nordex N90, in Rostock begleiten – und war bei der Errichtung des Prototyps in Dänemark auf dem Schiff dabei. Das vergisst man nicht. 

2. Wie bist Du zur Windenergie gekommen – und schließlich zur Deutschen Windtechnik? 

Windkraft war für mich schon immer präsent. Unvergessen: Ein Urlaub in Husum 1992. Die 250-kW-Anlagen von Tacke und HSW dort – das hat mich wirklich beeindruckt. 1999 habe ich dann an der FH Berlin Regenerative Energien studiert, damals noch ein Außenseiterthema. Mein Praktikum bei Nordex in Bad Essen war der Einstieg – seitdem bin ich der Branche treu geblieben. 

2004 kam ich zur psm und hatte die Chance, den WindService von Grund auf mit aufzubauen. Von 80-kW-Anlagen bis zur 2,5-MW-Klasse, vom Komponententausch bis zum Rückbau – alles dabei. Als die psm 2020 von der Deutschen Windtechnik übernommen wurde, ergab sich für mich die Möglichkeit, stärker in die Entwicklung einzusteigen. So entstand die Abteilung Research & Development Mechanical Components. 

3. Würdest Du sagen, dass Du ein typischer Ingenieur bist? 

Ich bin ein praktisch gewachsener Windenergie-Ingenieur. Mich interessiert vor allem das „Wie und Warum" auf technischer Ebene, um Prozesse gezielt zu verbessern. Dazu kommt eine klare Leidenschaft für die Windenergie und ein starkes Interesse, Zusammenhänge im Gesamtkontext zu verstehen. 

4. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus – Büro, Werkstatt oder Windpark? 

Seit 22 Jahren habe ich meinen Büroarbeitsplatz am Standort Erkelenz, mache gerne auch mal Homeoffice für Dokumentationen. Dazu ein R&D-Lager mit Werkstatt, ein voll ausgestattetes Servicefahrzeug und vor allem bin ich viel unterwegs auf Turbinen – um neue Lösungen zu finden, Entwicklungen voranzutreiben, Fehler zu beheben oder Schulungen durchzuführen, auch international. 

Teamarbeit ist dabei keine Option, sondern zwingende Voraussetzung. Im R&D hängt der Erfolg entscheidend davon ab, wie gut das Team und die beteiligten Partnerfirmen zusammenarbeiten. Jeder bringt seine Perspektive ein – so entstehen die besten Lösungen. 

5. Wie oft wechseln die Schwerpunkte Deiner Ingenieursarbeit? 

Ständig! Man muss unterscheiden zwischen kleinen Projekten und eigenständigen Entwicklungen. Das Tagesgeschäft verlangt viel ab: Wenn eine Turbine steht, müssen wir sehr schnell konstruieren und entwickeln. Gleichzeitig laufen langfristige Entwicklungen wie das BBG+ Blattlagerüberwachungssystem – für mich im Moment das wichtigste Projekt. Wir sprechen hier über Verschleiß in den Laufbahnen und Ringrisse, die dringend überwacht werden müssen. 

Weitere Schwerpunkte: Weiterentwicklung von Ultraschallprüfungen an Verbindungsmitteln oder Lifetime Extension von Großkomponenten. Einige R&D-Themen sind leider nicht öffentlich, aber die genannten Bereiche stehen ganz weit oben. 

6. Kannst Du ein konkretes Problem schildern, das Du kürzlich gelöst hast? 

Bei einigen Turbinen haben wir Verschleiß an den Zahnflanken der Blattlagerverzahnungen festgestellt. Wir konnten ein eigenes Reparaturverfahren entwickeln. Klingt simpel – aber die Details haben es in sich: Schweißzusatzwerkstoffe, Temperaturbehandlungen, Umsetzung in der engen Rotornabe. Das war echte Tüftelarbeit! 

7. Wie entstehen bei Dir Lösungen – Geistesblitz oder systematische Entwicklung? 

Der Heureka-Moment kommt fast nie ohne vorherige Arbeit. Meist sind es systematische Prozesse: intensives Einarbeiten, viel Trial and Error, schrittweises Verfeinern. Die Themen sind komplex, deshalb entstehen Lösungen im Team und jeder bringt seine Perspektive ein. Darüber hinaus haben wir uns ein umfangreiches Netzwerk erarbeitet, auf das wir für spezielle Fragestellungen zurückgreifen können. Aber klar: Ohne zündende Ideen geht's nicht. Die gehören dazu – entstehen aber selten aus dem Nichts. 

8. Gibt es bestimmte Standards, an die Du Dich halten musst? 

Absolut! Wir müssen uns bei allem, was wir tun, an Herstellervorgaben und Normen halten. Nachzertifizierungen bei Anpassungen oder Änderungen sind essenziell – ohne geht nichts. 

Für unser System zur Blattlagerüberwachung BBG+ haben, das wir in Partnerschaft mit eolotec entwickelt haben, haben wir beim DNV eine Zertifizierung vornehmen lassen. Schwerpunkte: Funktion, Sicherheitskonzept und Monitoringlogik des Systems. Nur so wird aus einer Entwicklung ein markttaugliches Produkt. 

9. Woran würdest Du gerne in den nächsten Jahren arbeiten? 

Im Service liegen Großkomponenten ganz weit oben, wenn's um Kosten geht. Das Ziel: Alles, was ohne Bereitstellung eines großen Mobilkrans getauscht oder repariert werden kann, sollte im Fokus liegen. Bei Getriebe-, Rotorblatt- und Generatorinstandsetzungen sind wir schon gut aufgestellt. Ein großes Thema werden Hauptlager sein – es gibt Möglichkeiten zur Lebensdauerverlängerung oder geteilte Hauptlager, die ohne Demontage des Rotorsterns und Triebstrangs getauscht werden können. Der Uptower-Kran ist eine weitere Vision: Hohe Anschaffungskosten, echte Herausforderung beim Operational Excellence – aber langfristig eine sehr wichtige Komponente. Und: Predictive Maintenance muss weitergedacht und mit klassischen CM-Systemen kombiniert werden. 

10. Du betreibst privat die Webseite wind-turbine-models.com – warum? 

Ab 2010 habe ich den Rückbau vieler älterer Anlagen begleitet. Dabei wurde mir bewusst: Mit den Anlagen verschwindet oft auch technisches Wissen und Bildmaterial. Die Branche ist schnelllebig – Museen können das nur teilweise dokumentieren. Deshalb sammle ich seit rund 15 Jahren systematisch technische Daten, Fotos und Informationen zu unterschiedlichen Anlagentypen und stelle sie auf wind-turbine-models.com zur Verfügung. Eine Art digitales Gedächtnis der Windenergie – aus Leidenschaft. 

Danke, Silvio! Deine Schilderungen zeigen beispielhaft: Engineering bei der Deutschen Windtechnik bedeutet praktische Problemlösung und enge Zusammenarbeit – von der Idee bis zur marktreifen Lösung. Im zweiten Teil dieses Interviews zeigen wir, wie aus solchen Herausforderungen konkrete Innovationen entstehen – und warum das für die Unabhängigkeit der Deutschen Windtechnik entscheidend ist (ET voraussichtlich September 2026).

Silvio Matysik, Engineer Mechanic bei Deutsche Windtechnik

Silvio Matysik, Engineer Mechanic (R&D) bei der Deutschen Windtechnik, arbeitet seit über 20 Jahren in der Windenergiebranche.

Silvio Matysik vor Windkraftanlage: Offshore-Pionierarbeit 2003

2003 begleitet Silvio Matysik die Fertigung der ersten deutschen Offshore-Anlage, der Nordex N90, und war bei der Errichtung des Prototyps in Dänemark dabei.

Induktive Ladeeinheit des BBG+ Blattlagerüberwachungssystems

Zusammen mit Partner eolotec entwickelte Silvio Matysik das von der DNV zertifizierte Überwachungssystem Blattlager BBG+, hier zu sehen dessen induktive Ladeeinheit.

Ihr Ansprechpartner - wir freuen uns auf Ihren Kontakt!

Nach oben scrollen