Roland, wie bist du damals eigentlich in der Welt der Windenergie angekommen?
Aufgewachsen bin ich an der Küste Zeelands – Wind, Wasser und das Meer waren immer Teil meines Alltags. Egal ob am Strand mit Freunden, beim Kiten oder Windsurfen. Durch mein Bauingenieurstudium durfte ich schon früh in Südafrika und Indonesien arbeiten. Diese Einsätze haben mir gezeigt, wie spannend es ist, mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuarbeiten.
Bevor ich zur Deutschen Windtechnik gekommen bin, war ich weltweit für Ballast Nedam im Einsatz, eines der größten niederländischen Bauunternehmen. Eigentlich startete mein Job ganz unspektakulär mit einem Vorstellungsgespräch am Flughafen Schiphol. Am nächsten Tag stand ich schon mitten im westafrikanischen Dschungel auf der Baustelle eines Wasserwerks. Nach vielen Jahren hat mich der Weg dann in die Offshore-Windenergie geführt – hier kann ich meine Begeisterung für Großprojekte mit dem besonderen Reiz von Wind und Wasser verbinden.
Wie kam der Wechsel zur Deutschen Windtechnik zustande?
2016 hat die Deutsche Windtechnik den Offshore-Bereich von Ballast Nedam übernommen, zu dem auch meine Abteilung gehörte. Es war eine turbulente Zeit: Die Projekte liefen zwar gut, aber Ballast Nedam steckte in finanziellen Schwierigkeiten. Durch den Wechsel kam für uns frischer Wind ins Team – und Sicherheit. Was mich wirklich überrascht hat war die Unternehmenskultur. Ich hatte ein sehr formelles, typisch deutsches Klima erwartet, aber plötzlich war alles per Du, die Atmosphäre locker und die Denkweise total praxisorientiert. Kein ‚Sie‘, sondern ‚Du‘, kein ‚Sehr geehrter Herr‘, sondern ‚Moin‘ oder ‚Mahlzeit‘ – das hat mich total abgeholt!
Seitdem durfte ich viele verschiedene Projekte leiten – in den Niederlanden, Deutschland, Dänemark und Taiwan. Ein Highlight für mich persönlich sind die internationalen Messen wie die Energy Taiwan, wo ich unser Portfolio vorstellen kann. Mittlerweile leite ich das Offshore-Projektmanagement-Team.
Wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst: Was hat sich in der Offshore-Windenergie am meisten verändert?
Eigentlich hat sich ständig alles weiterentwickelt. Langfristige Verträge gehören zur Ausnahme und die Projektlandschaft wird kleinteiliger. Viele erste Kontakte laufen heute digital ab, meistens über Ausschreibungsportale. Sogar unter Partnern kann es passieren, dass man plötzlich im Wettbewerb steht. Die Preisrivalität ist enorm und prägt den ganzen Markt. Wir stehen jeden Tag vor der Herausforderung, weiter wettbewerbsfähig zu bleiben – ohne dabei Kompromisse bei Sicherheit, Qualität oder Nachhaltigkeit einzugehen.
Was bedeutet das für die Zukunft der Deutschen Windtechnik in den Niederlanden?
Trotz aller Herausforderungen sehe ich viel Potenzial. Unsere größte Stärke sind unsere Kolleginnen und Kollegen und das Know-how, das wir gemeinsam aufgebaut haben. Auch wenn sich die Entwicklung von neuen Offshore-Parks zwischendurch verlangsamt: Der Bedarf an Service bleibt – und wird eigentlich immer größer. Die Wartung, Kontrolle und Reparaturen älterer Anlagen werden wichtiger denn je. Wir sehen zum Beispiel, dass die Beanspruchung durch das Meer vor allem Unterwasserkabeln über die Jahre zusetzt. Das braucht immer öfter Inspektionen und Instandsetzungen.
Erst vor kurzem hat Eneco uns als Servicepartner für den Windpark Prinses Amalia ausgewählt. Neben Projekten in den Niederlanden sind wir auch in der Deutschen Bucht und seit 2022 in Taiwan aktiv.
Wie schaltest du persönlich nach Feierabend ab?
Am liebsten verbringe ich Zeit mit meiner Frau und unseren Söhnen Kyran (14) und Arthur (10) draußen. Wir lieben Camping, Wandern, Surfen oder Familienurlaube in Italien. Und wenn der Wind es zulässt, bin ich auf dem Wasser und kite – das hängt aber, wie bei unseren Offshore-Projekten, immer vom Wetter ab. Zuhause dreht sich vieles um Musik: Meine Frau spielt Geige, mein jüngster Sohn und ich Klavier und der Große Gitarre. Wir spielen oft gemeinsam. Außerdem liebe ich es, Neues zu lernen – aktuell bringe ich mir Mandarin bei, das kommt tatsächlich auch bei unseren Projekten in Taiwan ganz gut an.
Danke, Roland, dass du deine Erfahrungen, Einblicke und deine Begeisterung so offen mit uns teilst!




