Land und See: Zwei Welten
Die Unterschiede sind grundlegend. Bereits onshore ist der Prozess komplex: Großkrane disponieren, Fahrgenehmigungen einholen, Kranstellflächen vorbereiten, spezialisierte Teams organisieren. Steht die Logistik und passt das Wetter, ist ein typischer Getriebetausch in fünf bis sechs Tagen erledigt.
Offshore potenzieren sich diese Herausforderungen: Spezialschiffe müssen koordiniert, Materialien komplett vorab auf See gebracht werden. Längere Gutwetterfenster sind nötig. Alles muss in einem Einsatz verfügbar sein, da eine schnelle Nachlieferung unmöglich ist. Hinzu kommen größere Anlagendimensionen und spezielle Hebemittel für Lifts auf schwimmenden Plattformen.
Offshore: Strategischer Ausbau
Diese Anforderungen spiegeln sich in zwei eigenständigen Strukturen wider. Onshore tauscht die Deutsche Windtechnik seit Jahren durchschnittlich zwei bis drei GK pro Woche mit etablierten Prozessen. Offshore intensiviert das Unternehmen den Geschäftsbereich nun deutlich. Unter strategischer Leitung von Offshore-CEO Achim Berge Olsen entsteht eine interne GK-Abteilung mit Ingenieurinnen, die Tools und Work Methods für moderne Offshore-Technologien entwickeln. Eigene operative Teams führen künftig die Hebevorgänge auf Spezialschiffen durch. Parallel steht eine Partnerschaft mit einem erfahrenen Schiffsanbieter in Aussicht. Größere Rahmenverträge für den GK-Tausch auf See sind bereits in Vorbereitung.
„Unser Ansatz ist es, dieselbe Serviceleistung wie die Anlagenhersteller anzubieten – jedoch wirtschaftlicher durch bessere Preise und schnellere Reaktionszeiten", erklärt Achim Berge Olsen. „Service inklusive GK-Tausch ist unser Kerngeschäft, während es für Hersteller ein Nebengeschäft darstellt. Das merkt auch der Kunde."
Onshore: Bewährte Routine
Von den Onshore-Teams wurden seit Gründung der Deutschen Windtechnik mehr als 1.500 Großkomponenten getauscht, insbesondere Getriebe, Generatoren, Hauptlager, Rotorblätter, Trafos und Blattlager. Und das entsprechend der Multibrand-Expertise für verschiedene Herstellertechnologien, überwiegend und priorisiert im Rahmen von Vollwartungsverträgen. „Nicht jeder Servicetechniker, der mit einer Vestas-Anlage vertraut ist, kennt sich automatisch auf einer Senvion 3 MW aus", erklärt Leandro Nunes Amador, Head of Engineering (Mechanic & Blades). „Deshalb arbeiten bei uns spezialisierte Teams mit herstellerspezifischer Expertise – auch für GK-Tausche."
Ein wichtiger Faktor für Schnelligkeit ist das Krankonzept. Das Unternehmen setzt hier auf Vielfalt: Mobile Großkrane sind Standard, während ein Uptower-Verfahren speziell für Generatortausche in Vestas-Anlagen genutzt wird. Für Blattlagertausche kommt auch das bodengestützte Windensystem zum Einsatz, in Einzelfällen bei leichteren Großkomponenten wie Azimutgetrieben auch mal der Helikopter. „Großkrane mit über 500 Tonnen Tragkraft können Vorlaufzeiten von sechs bis acht Wochen haben, mitunter kann es aber auch ganz schnell gehen", so Leandro Nunes Amador. „Hier sind bewährte Partnerschaften mit Krananbietern und unsere eigene Flexibilität entscheidend."
Transfer bei Schlüsseltechnologien
Obwohl beide Bereiche eigenständig arbeiten, findet bei bestimmten Technologien ein Wissenstransfer statt. „Bei Anlagen wie Senvion und Siemens gibt es einen gezielten Informationsaustausch zwischen Land und See", erklärt Leandro Nunes Amador. „Das technische Wissen wird bidirektional geteilt."
Auch bei der Ersatzteilbeschaffung profitieren beide Bereiche voneinander. „Unser großes Portfolio an neuen und instandgesetzten Großkomponenten und unsere gute Vernetzung sind entscheidende Vorteile", so Leandro Nunes Amador. „Wir können sofort reagieren, wenn eine Komponente ausfällt. Das bedeutet: minimale Stillstandszeiten und deutlich geringere Ertragsausfälle."
Zwei Strukturen, ein Ziel
„Onshore haben wir eine kontinuierliche Routine", fasst Leandro Nunes Amador zusammen. „Offshore wird aktuell massiv ausgebaut. Wo möglich und sinnvoll, ergänzen wir uns bei der Weiterentwicklung unserer Engineering-Expertise. Diese Bündelung stärkt unsere Gesamtkompetenz im Großkomponentengeschäft und verschafft Betreibern einen klaren Vorteil."




