Im Lebenslauf einer Windenergieanlage kann man grob drei Phasen erkennen: neuere Anlagen (0-10 Jahre), mittelalte Anlagen (10-20 Jahre) und ältere Anlagen (20+ Jahre). Während die Hersteller in der Regel die Instandhaltung bereits ab Neuinstallation übernehmen, sieht sich die Deutsche Windtechnik insbesondere beim Betrieb nicht mehr ganz neuer, mittelalter und teilweise auch älterer Anlagen in der Verantwortung. „Auch wenn die Hersteller und die unabhängigen Anbieter im Servicemarkt miteinander konkurrieren, sind wir uns doch bewusst, dass die Bewältigung der Instandhaltung insgesamt eine gemeinsame Herausforderung der gesamten Windindustrie darstellt“, hebt Matthias Brandt, Vorstand der Deutschen Windtechnik hervor. „Es braucht eine gewisse Akteursvielfalt, um nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ den gesamten Anlagenbestand auf einem hohen Leistungsniveau zu halten. Die Wind- und in unserem Fall speziell die Servicebranche ist mittendrin in der Energiewende, durch die noch viele Anlagen hinzukommen werden. Wir verstehen uns deswegen als Wegbegleiter mit dem gemeinsamen Ziel, die Windenergie langfristig erfolgreich zu machen“, so Matthias Brandt.
Dass die Servicebranche da schon auf einem guten Weg ist, unterstreicht Hauke Behrends, Geschäftsführer der Deutschen Windtechnik GmbH & Co. KG: „Natürlich sehen wir auch Wettbewerbssituationen mit den OEM´s – aber wir wollen auch mal herausheben, dass im Tagesgeschäft ein großes Miteinander herrscht. Es gibt zahlreiche Projekte, wo man sich gegenseitig hilft – explizit in beide Richtungen. Das geht von der Belieferung mit Teilen, Übermittlung von HSE-Informationen, Übernahme von Reparaturaufträgen u.v.m.“
Unterscheidet sich die Instandhaltung abhängig vom Alter?
Grundsätzlich unterscheidet sich die planbare Wartung neuer von mittelalten und älteren Anlagen wenig: Bei allen Anlagen erfolgt sie entsprechend der Vorgaben des Wartungs-Pflichtenheftes, das vom Hersteller verfasst wird. Sie findet zumeist in halbjährlichen oder jährlichen Intervallen statt. Größere Herausforderung beim Service älterer Anlagen ist vor allem die Versorgung mit Ersatzteilen. Hauke Behrends: „Einige Hersteller und auch die Hersteller von Komponenten für diese Anlagentypen verlieren die Instandhaltung älterer Anlagen zunehmend aus dem Blick und lassen die Fertigung der Ersatzteile auslaufen. Das hat uns bei der Deutschen Windtechnik früher immer wieder vor Herausforderungen bei Reparaturen gestellt.“ Inzwischen hat die Deutsche Windtechnik für diverse Kernkomponenten Reparaturprozesse entwickelt und entsprechende Kapazitäten erschlossen, mit denen eine große Anzahl häufig defekter Bauteile im Rahmen eines Refurbishments generalüberholt werden. Mehr als 30 Prozent der Ersatzteile werden inzwischen in einem Kreislaufprozess nach industriellem Standard aufgearbeitet. Das umfasst zentrale Komponenten der Leistungselektronik bis hin zu Großkomponenten wie Getriebe und Generatoren. Aber auch intakte Rotorblätter abgebauter Anlagen werden für den Fall der Fälle zwischengelagert. „All das ist auch im Sinne der Nachhaltigkeit ein sinnvolles Vorgehen. Und um den Aspekt der Energiewende einzubringen: All diese Maßnahmen wirken sich wesentlich auf die Produktivität und Laufzeit mittelalter und älterer Windenergieanlagen und damit den Beitrag der Windbranche zur Energiewende aus.“
Laufzeiten über 20 Jahre werden zur Regel
Dass die mittelalten oder älteren Anlagentypen bald obsolet sind und deren Ersatzteile nicht mehr gebraucht werden – danach sieht es auch in der Statistik nicht aus. Im Gegenteil: Ging man in der Vergangenheit von 20 Jahren Laufzeit aus, zeigt sich inzwischen, dass bei vielen Anlagetechnologien weitere Betriebsjahre durchaus realistisch sind. In seinem Bericht „Status des Windenergieausbaus an Land Jahr 2024“ stellt der Bundesverband für Windenergie fest, dass der Umfang, der in den letzten Jahren stillgelegten Anlagen, vielmehr mit der Entwicklung des Repowerings korreliert. Das ließe den Schluss zu, dass Altanlagen hauptsächlich im Ersatz für neue Windenergieanlagen außer Betrieb genommen wurden. Das Durchschnittsalter der 2024 stillgelegten Windenergieanlagen betrug 22,6 Betriebsjahre – so weiter im Bericht. Von der Ende 2024 installierten Windenergieleistung sind 18 Prozent über das 20. Betriebsjahr hinaus. Weitere 14 Prozent sind bereits 15 bis 20 Jahre am Netz. Ein Fünftel der bundesweit installierten Windleistung ist zehn bis 15 Jahre alt, etwas weniger als die Hälfte (47 %) der installierten Erzeugungskapazität ist seit weniger als zehn Jahren in Betrieb.
Hersteller und Unabhängige für ein gemeinsames Ziel
Dazu passt die Relevanz, dass für die zunehmende Anzahl mittelalter Anlagen ein steigender Kostendruck im Vordergrund steht: Die festgeschriebene EEG-Einspeisevergütung läuft aus, der Betrieb muss wirtschaftlich optimiert werden und stetig kommen auch rechtliche Anforderungen hinzu, wie die Weiterbetriebsprüfungen oder Sicherheitsnachweise. Matthias Brandt: „Unser Ziel ist es, einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb konstant zu gewährleisten - egal ob bis zum Repowering oder im Rahmen des Weiterbetriebs über die 20 Jahre hinaus. Aus unserer Sicht braucht es für den Erfolg der Energiewende neben der Entwicklung und Installation leistungsstarker Anlagen einen guten Service: Ob durch den Herstellerservice oder unabhängige Serviceanbieter, alte oder junge Technologie – nur gemeinsam werden wir es schaffen, den Betrieb der gestellten und zukünftigen Anlagen sicher und leistungsstark am Laufen zu halten.“
Quelle: Status des Windenergieausbaus an Land Jahr 2024 vom BWE



