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29.11.2018 PPA: Mehr Chance als Risiko

In vielen Ländern bereits etabliert, gewinnen Windstrom-PPAs (Power Purchase Agreements, langfristige Stromlieferverträge) auch in Deutschland an Bedeutung. Sie bieten die Option, sog. Ü20-Anlagen trotz Wegfall der EEG-Förderung rentabel weiter zu betreiben. Drei unserer Geschäftspartner baten wir um Ihre Einschätzung.

Marco Satthoff, Portfoliomanagement Strom, LichtBlick SE:

„PPAs sind bereits in vielen Ländern Europas, insbesondere in Skandinavien, ein wesentlicher Teil zur Förderung und zum Ausbau von Erneuerbaren Energien. In Deutschland war dieses Instrument lange Zeit, bedingt durch die EEG-Förderung, nicht notwendig, gewinnt aber auch hierzulande immer weiter an Bedeutung. Zum einen durch die verschärften Ausschreibungsbedingungen für neue Anlagen im EEG, aber auch in Hinblick auf Altanlagen deren finanzielle Förderung durch das EEG ab Ende 2020 endet, suchen Anlagenbetreiber nach neuen Möglichkeiten den Bau und den Betrieb von Windenergieanlagen zu finanzieren.

Ein gutes PPA sorgt für einen fairen Interessensausgleich zwischen allen Beteiligten und berücksichtigt alle Bedürfnisse der Projektpartner wie z.B. technische Verfügbarkeit, Risikobereitschaft und (finanzielle) Planungssicherheit. Der Charme eines PPAs liegt vor allem an der direkten Verknüpfung zwischen Windpark und dem Endkunden, der durch den Strombezug genau diese Anlage finanziell unterstützt. Eine solche direkte Verbindung und finanzielle Förderung zwischen Windpark und Endverbraucher ist durch die EEG-Förderung lange Zeit nicht möglich gewesen und stellt nun eine einfache und effektive Unterstützung von Erneuerbaren Energien dar.

Gerade bei den Ü20-Anlagen besteht die Gefahr, dass ohne ein PPA die Anlage vorzeitig zurückgebaut werden muss, da ein repowern der Anlagen an vielen Standorten durch gesetzliche Rahmenbedingungen ausgeschlossen ist. Windstrom-PPAs leisten somit einen direkten Beitrag dazu, dass in den nächsten Jahren ein Netto-Abbau bei den Erneuerbaren Energien verhindert wird. Vor allem LichtBlick-Kunden ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Strombezug die Umwelt schonen und einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende beisteuern. Unseren Privat- und Geschäftskunden möchten wir daher die Möglichkeit bieten neben deutscher Wasserkraft einen Teil ihres Strombezugs auch mit deutscher Windkraft zu decken. Hierfür ist es wichtig, dass wir den Strom aus deutscher Windkraft zu wettbewerbsfähigen Preisen unseren Kunden anbieten können. Teil davon wird ein optimiertes Konzept für Betrieb, Wartung und Instandhaltung der Ü20-Anlagen sein, sodass ein sicherer und erlösoptimierter Weiterbetrieb sichergestellt ist.“

Marc Kohlenbach, Senior Key Account Manager, Statkraft Markets GmbH

Die Zahl der grünen PPAs wächst. Was ist das Erfolgsrezept für ein gutes PPA?

Ein gutes PPA gibt dem Betreiber langfristige Planungssicherheit für den wirtschaftlichen Betrieb seiner Windkraftanalage. Es teilt dabei die Risiken, die mit dem Betrieb einer Windkraftanalage einhergehen, so auf die Vertragsparteien auf, dass jede Vertragspartei für genau jene Risiken die Verantwortung übernimmt, die sie am besten bewerten und tragen kann. Jedes PPA ist somit ein für die beteiligten Vertragsparteien maßgeschneidertes Produkt, das partnerschaftlich entwickelt wird. Statkraft erfüllt mit seinen PPAs die Anforderungen nach langfristiger Planungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und partnerschaftliche Entwicklung und konnte so europaweit bereits über 4.000 MW PPAs kontrahieren.
Welchen Beitrag muss die Instandhaltung der Altanlagen leisten, um ein PPA erfolgreich abschließen zu können?
Der Instandhaltung kommt im Rahmen eines guten PPA entscheidende Bedeutung bei der Risikoübernahme zu. Kein Vertragspartner kann die technischen Risiken beim Weiterbetrieb einer Windkraftanlage besser bewerten als das Instandhaltungsunternehmen. Statkraft bietet Instandhaltungsunternehmen daher die Möglichkeit im Rahmen von PPAs technische Risiken zu übernehmen und direkter Partner in einem PPA zu werden. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen technischer Verfügbarkeit und der optimalen Vermarktung einer Anlage können nur partnerschaftlich gelöst werden.

Warum kommen PPAs bei konkret Ihren Kunden gut an?

Unsere Kunden schätzen insbesondere die Planungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Partnerschaftlichkeit, die mit unseren PPAs verbunden sind. Statkraft ist als norwegisches Staatsunternehmen ein langfristig wirtschaftlich starker und verlässlicher Partner, der durch die Erfahrung bei der Vermarktung eigener Anlagen und Anlagen Dritter die gewünschte Preissicherheit bietet. Mit unserer Handelsexpertise und unserem 24/7-Handelsteam stellen wir sicher, jederzeit auf Preisbewegungen reagieren und so für unsere Kunden das wirtschaftlichste Angebot realisieren zu können. In der Ausarbeitung der PPAs suchen wir gemeinsam mit dem Kunden nach der maßgeschneiderten Risikoverteilung und beugen so negativen Überraschungen während der Vertragslaufzeit vor.

Können Sie ein Beispiel für ein bereits erfolgreich abgeschlossenes Windstrom-PPAs Ihres Unternehmens nennen? Was überzeugt daran?

Statkraft hat Anfang September mit 6 Bürgerwindparks erstmals für die Zeit nach Auslaufen der EEG-Förderung einen Stromabnahmevertrag geschlossen. Die einzelnen Verträge haben Laufzeiten von drei bis fünf Jahren. 31 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 46 MW können so nach Auslaufen der EEG-Förderung langfristig weiterbetrieben werden. Der grüne Strom wird zukünftig für die Versorgung von Industrieunternehmen genutzt.

Tobias Heyen, Leiter Abt. Short Term Trading und Vermarktung, EWE Trading GmbH

Die Zahl der grünen PPAs wächst. Was ist das Erfolgsrezept für ein gutes PPA?

Für beide Seiten, die Angebots- und Nachfrageseite, müssen wir einen fairen Preis mit einer ausgewogenen Risikoallokation finden. Der Betreiber benötigt einen minimalen Betriebskostenblock, um das Maximale aus den Stromverkaufserlösen herauszuziehen.

Welchen Beitrag muss die Instandhaltung der Altanlagen leisten, um ein PPA erfolgreich abschließen zu können?

Der Anlagenbetreiber wird in einem Kunden-PPA zum Versorger und muss eine gewisse technische Verfügbarkeit garantieren können. Das muss m.E. eine Instandhaltung bzw. ein Anlagenservice leisten.

Warum kommen PPAs bei konkret Ihren Kunden gut an?

Wir geben unseren Kunden eine gute Ergänzung zu unserem umfangreichen Dienstleistungsangebot und sorgen für einen wirtschaftlich sinnvollen Weiterbetrieb ihrer Windenergieanlagen. PPAs sind für unsere Kunden robuste Produkte, die wir als starker und solventer Marktteilnehmer gesichert umsetzen können. Schließlich hängt, entgegen der gewohnten EEG Vermarktung, im Rahmen eines PPAs die gesamte Vergütung vom Direktvermarkter ab.

Können Sie ein Beispiel für ein bereits erfolgreich abgeschlossenes Windstrom-PPAs Ihres Unternehmens nennen? Was überzeugt daran?

Wir haben drei Verträge, die bereits ab dem 01.01.2019 einen Teil unsere Privatkundenversorgung in unserem Versorgungsgebiet bereichern. Dabei handelt es sich um Alt-Windparks, die auch im Post EEG Zeitalter eine zentrale Rolle spielen werden und schon 2019 versorgungsorientiert im Markt integriert sein werden.

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