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24.01.2017 Was lernt Onshore von Offshore?

Die Nutzung der Windenergie an Land hat bekanntlich eine viel längere Historie als die auf See: Ging der erste deutsche Offshore-Windpark 2010 ans Netz, kann die Onshore-Windenergie auf nahezu drei Jahrzehnte Erfahrung zurückgreifen. Demzufolge fand oft ein Kompetenztransfer von On- nach Offshore statt – insbesondere die Anlagentechnologien betreffend. Schaut man jedoch genauer hin, erfolgt der Lernaustausch in der Praxis in beide Richtungen. Aktuell bekommt dieser „beidseitige Diskurs“ Aufwind durch den Start des Ausschreibungsverfahrens für die Onshore-Windenergie.

So ist die Offshore-Branche aufgrund ihrer Marktakteure, der Parkgrößen und des Kostendrucks mit Ausschreibungen bereits vertraut und befindet sich in einer anderen Phase. Sie nimmt gerne für sich in Anspruch, einen etwas höheren Industrialisierungsgrad zu haben. Das muss per se noch kein Vorteil sein. Allerdings verbergen sich in dieser Annahme Einsparpotenziale, die bekannte Schlagwörter wie Standardisierung, Automatisierung oder Harmonisierung betreffen. Auch die On- und Offshore-Erfahrung der Deutschen Windtechnik zeigt, dass sich tatsächlich konzeptionelle Inhalte finden, deren Transformation lohnend erscheint.

„Kampagnen“-Management onshore

Verglichen mit onshore zeigt die Offshore-Windenergie insbesondere Unterschiede in der Betriebsphase. Da Offshore-Windparks naturgemäß deutlich schwieriger zu erreichen sind, nehmen Logistikkonzepte einen zentralen Stellenwert ein. Auch wenn sich diese nur bedingt in die Onshore-Welt adaptieren lassen: Der Grundgedanke der permanenten Überprüfung von Arbeitspaketen, der sinnvollen Bündelung von Arbeiten, ist zwingend auch onshore notwendig. Insbesondere für größere Onshore-Parks gilt es, über die Synergieeffekte eines „Kampagnen“-Managements nachzudenken. Dies betrifft zum Beispiel die wirtschaftliche Durchführung von Komponententauschen, Inspektionen oder Reparaturen. Reichen Parkgrößen nicht aus, muss eine Clusterbildung mehrerer Windparks einer definierten Region in Betracht gezogen werden.

Mehr Transparenz durch Standardisierung

Grundsätzlich wird offshore versucht, die Arbeitsteilung auf weniger Schultern zu verteilen und die Betriebsphase mit nur etwa zwei bis vier Lieferanten zu sichern. Ziel ist es, aufgrund der damit einhergehenden Verringerung von Schnittstellen eine Standardisierung der Workflows zu erreichen. Dies betrifft auch die Daten- und Dokumentenbezeichnung sowie weitere gemeinsame Arbeitsgrundlagen wie zum Beispiel Einsatzplanung und Materialwirtschaft. Und auch wichtig: Die mit der Standardisierung einhergehende Transparenz der Betriebs- und Performancedaten ermöglicht ein objektiveres Controlling sowie eine noch bessere Bewertung der Leistungen. Der Onshore-Markt ist davon noch weit entfernt. Doch gerade diese Faktoren bringen dem Betreiber die Freiheitsgrade, sein Betriebs- und Instandhaltungskonzept individuell mitzugestalten. Er entscheidet, wie weit er die Aufgaben der Betriebsführung, Instandhaltung, Logistik und Materialwirtschaft verteilt, bündelt oder selber übernimmt. Hier sind oftmals große Kraftreserven für eine effektive Verschlankung versteckt. Langfristig wird hier ein Umdenken stattfinden müssen – warum dabei nicht von den Erfahrungen der Offshore-Akteure profitieren?

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